Montag, 23. november 2009
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Bild: www.jadu.de
»Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu. »Nehmt, sie soll euer
sein!
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen
Lehen -
Doch teilt euch brüderlich
darein!«
Da eilt', was Hände hat, sich einzurichten,
Es regte sich geschäftig jung und
alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes
Früchten,
Der Junker birschte durch den
Wald.
Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
Der Abt wählt sich den edeln
Firnewein,
Der König sperrt die Brücken und
die Straßen
Und sprach: »Der Zehente ist
mein.«
Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern
-
Ach! da war überall nichts mehr zu
sehen,
Und alles hatte seinen
Herrn!
»Weh mir! So soll denn ich allein von allen
Vergessen sein, ich, dein getreuster
Sohn?«
So ließ er laut der Klage Ruf
erschallen
Und warf sich hin vor Jovis
Thron.
»Wenn du im Land der Träume dich verweilet«,
Versetzt der Gott, »so hadre nicht mit
mir.
Wo warst du denn, als man die Welt
geteilet?«
»Ich war«, sprach der Poet, »bei
dir.«
Mein Auge hing an deinem Angesichte,
An deines Himmels Harmonie mein Ohr
-
Verzeih dem Geiste, der, von deinem
Lichte
Berauscht, das Irdische
verlor!«
»Was tun?« spricht Zeus, »die Welt ist weggegeben,
Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr
mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir
leben -
So oft du kommst, er soll dir offen
sein.«
Friedrich Schiller
von Bina
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veröffentlicht in: Literatur
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